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Volkspartei

Mit dem Begriff Volkspartei bezeichnet sich eine politische Partei, die ihre Interessen für oder durch das Volk zu verwirklichen sucht.

Da der Begriff des Volkes vielfältig zu definieren ist und seine Bedeutung in der Geschichte einem vielfältigem Wandel unterlag, hat sich auch der Begriff der Volkspartei gewandelt.

Geschichte

Entstanden ist als erste Volkspartei 1866 die sozialdemokratische Sächsische Volkspartei. 1868 wurde die liberale Deutsche Volkspartei gegründet. Zwar lag beiden Parteien die programmatische Vorstellung eines Deutschen Volksstaates zu Grunde, aber sie unterschieden sich im Volksbegriff.
Die Sozialdemokratie verfolgte auch in ihren späteren Parteigründungen (siehe Sozialdemokratische Arbeiterpartei) einen sozialen, an der gesellschaftlichen Klassenstruktur orientierten Volksbegriff, der sich auf die Arbeiterschaft konzentrierte.
Der liberale Volksbegriff speiste sich aus Impulsen der Romantik und des Idealismus. Seine Vertreter, vor allem engagierte, prinzipienorientierte Gelehrte und Beamte, zählten zur gesellschaftlichen Mittel- und Oberschicht.

Die historischen Auseinandersetzungen um die Sozialdemokraten (Verfolgung, Repressionen; siehe Sozialistengesetz) führten dazu, dass die Parteistruktur der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) sich am intensivsten entwickelte und hohe Effizienz erlangte. Der riesigen Bevölkerungsgruppe der Arbeiter wohnte durch ihre kritische soziale Lage ein hohes politisches Potenzial inne. Sie machten die SPD bald zur mitgliederstärksten Partei in Deutschland. Ihre Repräsentativität und politische Bedeutung machte die SPD in dieser Zeit zur klassischen Volkspartei.

Die nach dem Zusammenbruch des deutschen Kaiserreiches 1918 als Nachfolgerin der Nationalliberalen gegründete Deutsche Volkspartei setzte sich für die Landwirte und Handwerker ein. Auch die Stellung der Unternehmer sollte gesichert werden.

Die ebenfalls 1918 gegründete Deutsch-Nationale Volkspartei speiste ihre Programmatik aus dem Nationalismus, dem kaiserlichen Konservatismus, rechtem Liberalismus und Antisemitismus.

Am radikalsten im Sinne des Aufgehens des Individuums in der Volksgemeischaft hat die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) gewirkt, die vom Anspruch und dem erzeugten Massenwahn her ebenfalls als besonderes Phänomen einer Volkspartei anzusehen ist.

Gegenwart

Unter "Volk" versteht die Volkspartei der Gegenwart die Wählerschaft. Aufgrund des Wettbewerbs sind Programmatische oder weltanschauliche Unterschiede zur jeweils anderen Volkspartei sehr gering; das Hauptziel ist jeweils, bei den Wahlenen die Regierungsmehrheit zu erhalten.
Eine Phase der so genannten Entideologisierung hat zu ihrem Erfolg und zu Ausbreitung geführt. Eine gewisse Ideologie wird nicht mehr als die wichtigste, sondern als eine mögliche Entscheidungsrichtung benutzt. Ein Festhalten an einer Ideologie wird vermieden, um eine breite Masse zu gewinnen.
Eine Volkspartei versteht sich selbst als grundsätzlich für jeden wählbar. Ihre Politik ist am Gemeinwohl orientiert, und sucht dem Ausgleich, den Kompromiss zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Interessen.

Beide heutigen deutschen Volksparteien sind von ihrer historisch-programmatischen Tradition abgegangen.
Die Volkspartei SPD versteht sich seit dem Godesberger Programm nicht mehr als Arbeiterpartei.
Die Volkspartei CDU als Nachfolgerin des katholischen Zentrums legt in ihrem Handeln weder nennenswert katholische noch christliche Merkmale an den Tag.




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